Hoch im Norden: Warum The Elder Scrolls V: Skyrim etwas Besonderes ist
Gut möglich, dass ihr schon mal von The Elder Scrolls V: Skyrim gehört habt.
Das preisgekrönte Rollenspiel wurde von Kritikern gefeiert, von Millionen gekauft und hat heute noch eine überaus aktive Community. Ende Oktober erscheint es in aktualisierter Form für Xbox One, PlayStation 4 und PC. The Elder Scrolls V: Skyrim Special Edition bietet eine komplett überarbeitete Grafik und enthält auch die drei offiziellen Spielerweiterungen Dawnguard, Hearthfire und Dragonborn.
Das Ganze ist also eine ziemlich große Nummer. Aber um zu verstehen, warum es so eine große Nummer ist, sollten wir uns mit Skyrims Ahnengeschichte beschäftigen.
Wenn ihr Skyrim bereits gespielt habt, dann teilt eure Erlebnisse mit uns. Benutzt dazu das Hashtag #SkyrimMemories auf Twitter, Facebook und Instagram. Wir werden unsere Lieblinge der ganzen Community vorstellen und eine eurer Erinnerungen mit einem Animationsfilm zum Leben erwecken!
The Eldest Scrolls
Wir schreiben das Jahr 1994. Nancy Kerrigan, Tonya Harding und O.J. Simpson machen Schlagzeilen. Michael Schumacher gewinnt erstmals die Formel 1. Justin Bieber wird geboren. Kurt Cobain stirbt. Und ein unscheinbarer Entwickler namens Bethesda Softworks ist dabei, Gaming-Geschichte zu schreiben.
Als The Elder Scrolls: Arena auftauchte, war manchen Spieletestern nicht so ganz klar, was sie davon halten sollten. Bei Rollenspielen gab es damals einen Trend in Richtung Action, sehr zum Unmut der Fans von traditionellen Genrevertretern. Und jetzt kam da ein Spiel daher, das mit seinem Echtzeitkampfsystem auf den ersten Blick besonders actionbetont wirkte. Aber zugleich war es mit Spielinhalten regelrecht vollgestopft und hatte eine absurd riesige Welt mit über 60 großen Städten – aber keinerlei künstliche Einschränkungen, wo der Spieler hinreisen durfte.

Die Fans waren begeistert und machten Arena zu einem regelrechten Kultspiel. Zwei Jahre später setzte The Elder Scrolls II: Daggerfall noch einen drauf: Es gab eine gehaltvollere Story, vielfältigere Gegner und eine gigantische Spielwelt, deren Ausmaße etwa mit Großbritannien vergleichbar sind. The Elder Scrolls III: Morrowind läutete dann den Trend zu (relativ!) kleinen, aber abwechslungsreicheren Welten ein, bei denen mehr in Handarbeit designt wird. Morrowind erntete Lob für seine erstaunliche Mischung aus Größe und Liebe zum Detail, es kombinierte eine ergiebige Story mit enormer Spielerfreiheit.
Von Spiel zu Spiel erregte die Serie immer mehr Aufmerksamkeit, der nächste Streich sorgte dann für den ganz großen Durchbruch. Als 2006 The Elder Scrolls IV: Oblivion erschien, kam alles zusammen: bessere Technologie, größeres Spielerpublikum – und ein wuchtiges Abenteuer.

Oblivion als "beliebt" zu bezeichnen, wäre eine erhebliche Untertreibung. Auf begeisterte Testberichte folgten bald die "Spiel des Jahres"-Auszeichnungen in der Presse. Oblivion kombinierte Spielerfreiheit mit einer mehrere Dimensionen umspannenden Geschichte und augenfälligen Fortschritten bei der Grafik. Bedienung und Zugänglichkeit waren besser, ohne deshalb an der Komplexität zu sparen.
Da stellte sich nur eine Frage: Wie soll man das noch toppen?
Drachenblut tut gut
The Elder Scrolls war 2011 den meisten Spielern ein Begriff, Millionen Fans erwarteten sehnsüchtig den Oblivion-Nachfolger. Es schien kaum vorstellbar, dass The Elder Scrolls V: Skyrim dieser enormen Erwartungshaltung gerecht werden könnte. Und dann wurden die Drachen von der Leine gelassen.

Da ist zum einen die Story: Frühere Elder Scrolls-Titel beauftragten den Spieler damit, einem bedeutenden mächtigen Charakter zu helfen. Doch in Skyrim seid ihr der bedeutende mächtige Typ: Der letzte Dovahkiin, ein Held mit dem Körper eines Sterblichen und der Seele eines Drachen, dessen Schicksal es ist, das Kaiserreich zu retten. Dabei kann man so einiges erleben: Ihr jagt Drachen, beendet einen Bürgerkrieg, bringt den einen oder anderen alten Orden wieder in Schwung und stattet dem Jenseits einen Besuch ab (und das alleine in der Hauptquestreihe). Die epische Story führt den Spieler durch die gesamte Region, fühlt sich zugleich aber persönlich und mitreißend an.
Und dann ist da noch die Spielwelt an sich. Oblivion zeigte die idyllischen Wälder, Weiden und Küsten von Cyrodiil, doch Skyrim spielt in der nördlichen Provinz Himmelsrand – und das bedeutet: warm anziehen. Doch trotz der eisigen Umgebung bietet das Spiel jede Menge grafische Abwechslung. Es gibt isolierte grüne Flecken, zerfallene Ruinen oder die riesige unterirdische Schönheit von Schwarzweite. In den Vorgängerspielen hatten die Landmassen von Cyrodiil und Dolchsturz größere Ausmaße, aber Himmelsrand ist mit so vielen Entdeckungen vollgepackt, dass es sich erheblich größer anfühlt.

Diese Welt ist mit Charakteren und Kreaturen bevölkert, die ein interessantes Eigenleben haben. Wölfe jagen Rehe, Riesen hüten Mammuts, Drachen attackieren Siedlungen, Vampire lauern Banditen auf. Ihr könnt euch bei solchen Ereignissen einmischen oder sie einfach ignorieren. Auf jeden Fall vermitteln sie das Gefühl einer lebendigen, dynamischen Welt, bei der die Dinge ihren Lauf nehmen – egal, ob ihr anwesend seid oder nicht.
Das Kampfsystem von Oblivion wurde für Skyrim weiter verbessert. In den beiden Händen lassen sich zwei völlig unterschiedliche Gegenstände gleichzeitig halten (wenn ihr nicht gerade eine Zweihandwaffe am Start habt, versteht sich). Die Kämpfe wirken viel natürlicher und abwechslungsreicher. Ihr könnt in der einen Hand eine tödliche Klinge und in der anderen Hand einen nicht minder tödlichen Feuerball halten. Je nach Situation lassen sich Waffen und Zaubersprüche schnell wechseln. Und dann ist euer Held auch noch stimmgewaltig: Die Drachenblut-Schreie sorgen für eine dritte Angriffs- oder Verteidigungsart.
Friedliebende Naturen freuen sich über Skyrims Handwerkssystem. Ihr könnt nicht nur Gegenstände reparieren, sondern mit den passenden Rohstoffen auch eigene Waffen, Schmuckstücke, Tränke oder schmackhafte Gerichte herstellen. So mancher Nachmittag wurde damit verbracht, die Probleme von Tamriel zu ignorieren, um in Ruhe ein Drachenknochenrüstungsset zu vervollständigen.

Und das ist nur das Grundspiel. Drei Erweiterungen sorgten für weitere spielerische Abwechslung sowie neue Gegenstände, Charaktere und Quests. Mit Dawnguard verwandelten wir uns in einen Vampirfürsten, bei Hearthfire bauten wir unser Eigenheim und in Dragonborn zähmten wir einen Drachen (um dann natürlich auf ihm zu reiten!). Nicht vergessen: Diese Skyrim-Erweiterungen sind bei der Special Edition enthalten. Und wenn ihr alle drei Add-ons bereits auf Steam gekauft habt, erhaltet ihr die PC-Version der Special Edition kostenlos.
Jenseits des Geistermeers
Die Medien reagierten gar nicht unterkühlt, sondern vergaben meist noch höhere Wertungen als bei Oblivion. Und dann prasselte es Preise: Skyrim erhielt mehr als 200 "Spiel des Jahres"-Auszeichnungen und wurde von einigen Publikationen als bestes Spiel aller Zeiten betitelt. Die Verkaufszahlen waren entsprechend: In einer Pressemitteilung aus dem Jahr 2014 sprach Bethesda davon, dass Skyrim sich mehr als 20 Millionen Mal verkauft hatte … und das ist zwei Jahre her!
Das anhaltende Interesse an Skyrim sorgte dafür, dass es zum Bestandteil der allgemeinen Popkultur wurde. Es gab Erwähnungen in Fernsehserien wie South Park, Futurama und NCIS. Talkmaster Conan O'Brien widmete ihm eine seiner ersten "Clueless Gamer"-Episoden. Weltweit haben Dutzende von Musikern die Skyrim-Titelmusik gecovert. "Fus Ro Dah" und "einen Pfeil ins Knie bekommen" haben sich längst als Internet-Memes verselbstständigt. Von den Anspielungen in so unterschiedlichen Spielen wie World of Warcraft, League of Legends und Borderlands 2 mal ganz zu schweigen.
Also ja, Skyrim ist immer noch eine ziemlich große Nummer. Und deshalb kommt es fünf Jahre nach seiner Erstveröffentlichung auch zurück. Dann erleben Konsolenspieler dieses gewaltige Abenteuer auf den aktuellen Systemen und jeder profitiert von der überarbeiteten Grafik und den enthaltenen Erweiterungen. Das lohnt sich auch für PC-Spieler, die Skyrim nun in 64-Bit erleben. Für einige wird Skyrim Special Edition die erste Reise in diese epische Welt sein. Für andere bedeutet es eine Rückkehr in vertraute Gefilde. Aber ganz egal, ob Einsteiger oder Veteran, kein Spielerlebnis wird wie das andere sein. Das ist es, was Elder-Scrolls-Spiele so fesselnd macht – und warum Skyrim auch ein halbes Jahrzehnt später noch so viel Bedeutung hat.
